Sonntag, 1. Juli 2012

Anstrengend! Aber durchgehalten.

Das ich mich einmal die Woche melde hat nicht ganz geklappt, aber hier bin ich wieder.

Der Arbeitsrhythmus hat sich eingependelt und und die Schule hat jetzt erstmal 6 Wochen Ferien.
Die letzten 14 Tage habe ich praktisch nur mit schlafen, arbeiten und Schule verbracht, weswegen ich keine Zeit hatte, hier zu schreiben. In den freien Minuten war ich dann mal froh mich um meinen Haushalt kümmern zu können oder shoppen zu gehen.
Letztes Wochenende war ich dann mit meinem Nachbarn und seiner Freundin endlich mal Essen. Das erste mal in meiner neuen Persönlichkeit. Abends wegzugehen hatte ich mir bisher nicht getraut, weil ich Angst komisch angemacht zu werden oder erst gar nicht hereingelassen zu werden.
Aber der Abend war Klasse.

In der letzten Woche hatte ich dann einen Beratungstermin im Laserzentrum Kassel, wobei ich da etwas enttäuscht bin. Nicht nur, dass der Behandlungsraum in einer zusammengezimmerten Ecke eines Rechtsanwaltsbüro ist, nein, die Sitzung soll auch 80,-Euro kosten...
Das muss ich mir erst überlegen ob ich da hingehe. Ich habe kommende Woche einen Termin bei der "Hairfree"-Kette. Mal sehen was die anbieten und was es dort kostet.

An der Arbeit läuft alles prima. Da kann man eigentlich nichts berichten, denn es ist jeden Tag das gleiche und unspektakulär.

Vor einer Woche habe ich vor dem Spiegel festgestellt, dass meine flache Brust nicht zu meinem Körper passt und habe mich entschieden, entgegen meiner Prinzipien, nun doch Schaumstoffprothesen zu tragen. Ich hatte die schon mal ausprobiert, konnte mich aber nicht damit identifizieren. Aber nun sieht`s sogar richtig chic aus und ich gefalle mir wieder ein Stück mehr. Nun also doch Weihnachtsgans!
 ...nicht getroffen...
Bereits am ersten Tag, an dem ich sie öffentlich trug, bekam ich positive Resonanz. Damit ihr euch das ungefähr vorstellen könnt, hier ein Bild. Allerdings nicht das beste, vielleicht tausche ich es mal gegen ein besseres aus.

Dieses Wochenende war dann auch wieder sehr angenehm, denn ich war in einer Disco. Oh, heute sagt man ja Club! Das war bisher meine grösste Hürde, denn die Kasseler Türsteher verstehen keinen Spass und weisen gerne mal den einen oder die andere ab.
Aber wider erwarten gab es überhaupt keinen Grund mich nicht hereinzulassen. Ohne Probleme feierten wir die ganze Nacht ausgiebig meinen ersten Clubbesuch und auch die anderen Gäste waren begeistert von mir, das ich so viel Mut aufbringe um sowas zu machen. Ich hoffe der hauseigene Fotograf lädt bald seine Bilder hoch, dann kann ich euch zeigen, wie ausgelassen wir gefeiert haben.
Niemand hat mich beleidigt, mit dem Finger auf mich gezeigt oder ausgelacht. Ich war echt begeistert, da ich ja etwas bedenken hatte, bei all den Jugendlichen.
Ich hoffe, ich finde bald die Zeit, so etwas zu wiederholen.

Gesetzlich bin ich noch nicht weitergekommen, da ich es jeden Tag auf den nächsten verschiebe, einen Vornamensänderungsantrag zu schreiben. Man findet wohl Vorlagen im Internet, aber soweit ich weiß sind diese wieder veraltet weil sich das Transsexuellengesetz geändert hat und man es nun etwas einfacher hat.
Hannah (Frau seit 1997) hat mich da genau informiert, aber ich konnte mir nicht genau alles merken.
In den Ferien sollte ich aber ausreichend Zeit dazu haben, denn langsam muss es rechtlich mal weitergehen.

Die sonstige allgemeine Lage hat sich stark verbessert: Mittlerrweile darf ich 15 Paar Schuhe mein eigen nennen und der Kleiderschrank ist auch zu klein geworden. Ich habe mir freiwillig ein Bügelbrett und -eisen geholt, weil man ja nicht so zerknittert rumlaufen kann. (Früher ist es mir nicht aufgefallen oder war mir egal.)

Zusammenfassend kann ich heute bereits sagen: Ich fühle mich komplett als Frau. Nach den letzten Wochen ohne Zwischenfälle und mit zunehmender Routine hört mein Kopf auf, über Richtig und Falsch nachzudenken. Ich bestreite meinen Alltag so wie er mir gefällt und das ist richtig. Selbstverständlich passieren noch kleiner Unfälle wie zum Beispiel das sitzen auf Treppen mit Rock... oder die richtige Größe des BH`s damit er nicht die ganze Zeit unter`m Kinn hängt. Aber das sind nur noch Kleinigkeiten.
Auch die Zeit im Badezimmer konnte ich schon von über 2 Stunden auf maximal 30 Minuten einschränken.
Langsam stelle ich auch den Unterschied zwischen guter und schlechter Schminke fest und kann nur jedem raten, lieber ein paar Euro mehr in Schminke zu investieren, es lohnt sich.

Nun geht die Haushalstarbeit weiter: Die Wäsche ist fertig und wartet auf den Trockner. Danach möchte sie noch gebügelt werden... Frauen haben keine Sonntage!





Sonntag, 17. Juni 2012

Rest der 24. KW 2012

Mein erster Arbeitstag war toll.
Ich bin in der Werkstechnik eingesetzt. Diese Abteilung ist für alles zuständig, was an der Arbeit kaputt geht. Dann rücken wir aus und reparieren es wieder. Ein sehr abwechslungsreicher Job. Da aber nun nicht täglich etwas kaputt geht, kümmern wir uns auch um den internen Firmenumzug. Denn SMA expandiert und baut ständig neue Produktionshallen.

Anfänglich hatte ich etwas bedenken, dass ich in der Arbeitskleidung meine Weiblichkeit verliere, aber meine äußere Erscheinung ist bereits weiblich genug. Desweiteren trage ich weiterhin meinen Schmuck und rosa Söckchen, die durch die Arbeitsschuhe schimmern.
Natürlich ernte ich komische Blicke, aber niemand sagt etwas. Es macht mir sehr viel Spaß den Männern zu zeigen, dass ich trotzdem noch genauso zupacken kann wie vorher. Teilweise sind die Jungs sogar irritiert, da sie nur da stehen und die verschiedenen Baugruppen montieren und ich die Arbeitsplätze demontiere, was wesentlich schwerere Arbeit ist.Auf etwas Entfernung sieht man ja kaum noch das ich ursprünglich männlich war. Erst bei genauerem hinsehen und aus der Nähe erkennt man es.

Es fühlt sich verdammt gut an, jeden Tag meinem Ziel näher zu kommen.
Am Anfang habe ich über jede Bewegung nachgedacht, ob es auch weiblich erscheint, mittlerweile ist alles so selbstverständlich und ich handele einfach.
Auch das Schminken, Anziehen und die anderen typisch weiblichen Sachen gehen mir immer leichter von der  Hand.
Mein Freundinnenkreis wächst täglich und ich bekomme eine Menge Tipps und Tricks.

Das einzige was nun noch fehlt um rundum glücklich zu sein ist Sonne! Seit Tagen regnet es immer wieder.


Da ich mich erst an den neuer Rhythmus gewöhnen muss, werden meine Beiträge in den nähsten Tag nur auf das wichtigste Beschränkt. Der Riesenrummel um meine Person ist ja nun fast vorbei ist, werde ich nur noch die wirklich außergewöhnlichen, lustigen, traurigen, seltenen oder anders denkwürdigen Ereignisse berichten.
Ich hoffe ich habe Euer Verständnis.


Also hoffen wir, das es bald (ich denke ja schon) wieder was zu berichten gibt.
Ich bin genauso gespannt wie Ihr.

Bis dahin.



Dienstag, 12. Juni 2012

Dienstag 12.06.2012

Wieder so ein Tag an dem man nichts so richtig schafft. Auf dem Plan standen heute die Psychologin, der Klamottenladen meiner neuen Firma, die Abendschule und der Gesprächsabend an der Uni.
Ich hab auch fast alles geschafft. Nur die Psychologin hab ich ganz vergessen. Erst am frühen Nachmittag fiel es mir ein, das wir ja heute einen Termin hatten. Zu spät! Mit einem kurzem Telefonat hab ich mich dann entschuldigt und einen neuen Termin für nächste Woche gemacht.
Der Arbeitskleidungsladen von SMA war dann aber wieder Erholung pur. Schließlich gab es was zum Anziehen und Schuhe und ich musste nix bezahlen.
Da die Arbeitskleidung wohl auch als Fan-Artikel verkauft werden, konnte ich mir zwischen verschiedenen Sachen und Farben etwas aussuchen. Und das beste: Es sind Damensachen! Jeder darf in dieser Firma seine Meinung vertreten (sofern man sich nicht strafbar damit macht), da es ja das Gleichstellungsgesetz gibt.
Ich freu mich schon auf morgen, meinen ersten Arbeitstag als Svenja. Mal sehen wie die Kollegen reagieren.

An der Abendschule haben wir heute einen Aufsatz geschrieben, auf den ich mich aber nicht richtig konzentrieren konnte, da ich nur an morgen denke. Aber das Halbjahr ist eh fast rum und die Noten stehen so gut wie fest.

Mal sehen wie es wird, bis dann.

Montag, 11. Juni 2012

Montag 11.06.2012

Heute habe ich ein Vorstellungsgespräch bei SMA, hier in Kassel. Neben Volkswagen und Mercedes einer mit der größten (und auch gut zahlenden) Arbeitgeber Nordhessens.

Beworben hatte ich mich noch als Sven.
Also wie gehe ich dort hin? Will ich den Job haben, gehe ich als Sven... will ich mir Treu bleiben gehe ich als Svenja!

Ich grübele mir die Synapsen heiß und entscheide mich, mir Treu zu bleiben. Nur so übertrieben wie es ich plante, nämlich mit Rock und Lackschuhen gehe ich nicht.
Bluse, Jeans und Ballerinas sollen reichen.

Völlig ruhig und selbstbewusst verlasse ich eine Stunde vor dem Termin das Haus. Nix kann schiefgehen, denn ich habe alle Zeit der Welt.
Erst in die Stadt um dann dort in den Bus umzusteigen... steige ich in den falschen Bus!
Aaaah, Panik! Plötzlich wirds mir doch heiß und kalt zugleich und ich merke das etwas Stress entsteht.

Im völlig entgegengesetztem Stadtteil rufe ich mir dann ein Taxi um dann doch noch genau pünktlich zu meinem Termin zu kommen. Nochmal gut gegangen.

Der Taxifahrer hat mir Mut gemacht, weil er sagte: "Na so ein Glück, ich habe gerade das Fahrzeug gesaugt und dann stehst du da an der Strasse." (war wohl nicht das Taxi, welches ich gerufen hatte, sondern ein zufällig vorbeigekommenes) "Pünklich kommst Du ja auch, also da kann das ja nur gut gehen"
Sein Wort in Gottes Ohr denke ich...

Beim Vorstellungsgespräch selbst bin ich wieder zu ehrlich und lästere schön über meinen letzten Arbeitgeber, erzähle von meiner Schwäche immer Recht haben zu müssen und nehme auch sonst kein Blatt vor den Mund.
Nach 45 Minuten Frage-und-Antwort-Spiel gratuliert mir die junge Dame und fragt, ob sie mich denn direkt am Mittwoch einstellen darf.
Natürlich darf sie!

Nebenbei sagt mir noch: "Herr K., wenn Sie irgendjemand hier in der Firma aufgrund Ihrer äußeren Erscheinung anmacht, kommen Sie bitte sofort zu mir, denn sowas dulden wir hier nicht!"

Ich bin total überrascht über so ein Entgegenkommen. Ich hätte eher damit gerechnet, dass die sagen: Nee, sowas wie sie brauchen wir hier nicht.

Aber genau das Gegenteil ist eingetreten. Diese Firma möchte gerne junge und außergewöhnliche Menschen beschäftigen, schließlich ist die Firma auf solch einer Grundlage aufgewachsen. (3 Kasseler Studenten gründeten die Firma vor 20 Jahren)

Mittlerweile ist 23.30 Uhr und mein fröhliches Grinsen will einfach nicht nachlassen.
Schon wieder habe ich etwas erreicht ohne mich verstellen zu müssen.

Ich bin Ich und darf sogar Ich bleiben!

Sonntag 10.06.2012

Endlich ausgeschlafen, bin ich heute schon wieder zum Grillen eingeladen worden. Daniel hat das auf die Beine gestellt und noch einige alte Kumpel aus meinem früherem Leben bestellt.
Das waren eigentlich alles Leute, die nicht auf meiner Informationsliste standen, da man zu selten mit denen zu tun hat und wenn man dann mal wen in der Stadt trifft kann man ja alles schnell erklären.

Gegrillt haben wir bei Yvonne im Garten und es gab wieder reichlich Fleisch und Salat. Noch satt vom Freitag genieße ich heute den leckeren Salat von Jens unserem Chefkoch.
Nebenbei stellte sich heraus, das eine noch entferntere Freundin direkt dort wohnt, wo auch Yvonne wohnt. Irgendwie komme ich mit Steff über Schuhe zu sprechen und spontan werden mir 2 neue Paar geschenkt, da sie ihr nicht gefallen. Wouhou! Sommersandalen und sommerliche  Peep-Toe-Ballerinas. Auch mit Schminke kann sie mich versorgen, da einer ihrer Verwandten in einer Drogerie arbeitet und somit reichlich davon zur Verfügung hat.

Unseren Verdauungsspaziergang haben wir dann quer über das documenta 13-Gelände gemacht, wo wir uns im dunkeln dann die durchaus kreative Kultur angeschaut haben. Kassel ist verrückt!

Nachts war ich dann superglücklich zuhause: Endlich akzeptieren mich auch meine Freunde. Wobei endlich übertrieben ist. Aber ich hatte Angst komisch angeschaut zu werden oder anders als vorher behandelt zu werden. Meine Ängste waren aber unberechtigt und deswegen bin ich so glücklich.

Ich bin dort angekommen wo ich hin wollte: Die Frau verkörpern und dabei ganz normal behandelt zu werden. Juchu!

Was habe ich mir Gedanken gemacht und dann ist alles so einfach... Ich liebe das Leben!

Samstag 09.06.2012

....nein, nicht aufstehen... grml...

Hab mich heute einer Demo gegen ACTA versprochen. Da muss ich dann wohl auch hin.
Pünktlich um 15 Uhr treffe ich ein, aber nicht ohne vorher genügend zu trinken einzupacken, denn etwas hat die letzte Nacht schon geschlaucht.

Die Demo selber war nicht so wie erwartet: Mit maximal 100 Leuten war das ganze Spektakel bereits nach einer Stunde vor dem hiesigen Rathaus zu ende.
Nur die Showeinlage und der Stand der Piratenpartei hielten mich dann noch dort.

Eindrücke:
...Instructionen noch vor der Uni...

...Aufmerksamkeit erregen...

...Überaschungs-show-act...

....Mann sollte wissen wie Ahoi-Brause wirkt...
Heute kam ich auch erst wieder nach Hause, als es hell war, allerdings war es immernoch Samstag und ich lag um 20 Uhr im Bett, die vergangenen Tage Schlaf nachholen.

Es konnte ja keiner ahnen das die deutsche Fußballelf heute ihr Debut zeigt und die Kasseler anschließend so abdrehen, als ob wir Weltmeister wären...
Hier wurden Autokorsos gebildet, Feuerwerk gezündet und noch Stunden später standen die Leute mit Fahnen in der Hand auf der Strasse.



Freitag 08.06.2012

Heute bietet das Autonome Schwulenreferat einen Grillabend an. Da das Wetter den ganzen Tag einigermaßen sonnig war, entschließe ich mich dort mitzumachen.
Schnell ein wenig Fleisch gekauft, 3 Flaschen Prosecco (man muss ja was anbieten) und etwas Baguette.
Wie das so beim Grillen so ist, wenn jeder etwas mitbringt hatten wir am Ende noch die Hälfte übrig...macht aber nix, ich habe mich dem Problem angenommen und vorsorglich alles gehamstert.
Leider hatte ich meine Kamera vergessen sonst hätte ich gerne mal ein paar Fotos von den Fleischmassen gezeigt... und das was daraus geworden ist. Denn irgendwie wurde am Ende der Grill vergessen und so wurde doch noch einiges etwas schwärzer.

Um Mitternacht war der Grill aus, wir waren alle satt und es herrschte Aufbruchstimmung. Meines Erachtens nach viel zu früh. So ging ich dann noch zu einem Campus-Cafe wo ein bis dahin mir unbekannter Student Geburtstag feierte.
Da waren bestimmt noch über 30 Jungs und Mädels und alle waren sehr aufgeschlossen mir gegenüber.
So feierten wir noch bis zum Morgengrauen und ich habe viele neue Freundschaften geschlossen.
Wieso hatte ich bis heute kein Selbstvertrauen? Ich habe immer gedacht, das ich auf Party`s unerwünscht wäre, da ich ja das Gesamtbild störe. Aber genau das Gegenteil findet statt: Jeder will meine Geschichte hören.
Diese Nacht war seit Monaten mal wieder das absolute Highlight.
Morgens hat mich dann Carsten das Geburtstagskind höchst persönlich bis vor meine Haustür begleitet.

Hui, bin etwas angeschwippst...schnell ins Bett!