Der Arbeitsrhythmus hat sich eingependelt und und die Schule hat jetzt erstmal 6 Wochen Ferien.
Die letzten 14 Tage habe ich praktisch nur mit schlafen, arbeiten und Schule verbracht, weswegen ich keine Zeit hatte, hier zu schreiben. In den freien Minuten war ich dann mal froh mich um meinen Haushalt kümmern zu können oder shoppen zu gehen.
Letztes Wochenende war ich dann mit meinem Nachbarn und seiner Freundin endlich mal Essen. Das erste mal in meiner neuen Persönlichkeit. Abends wegzugehen hatte ich mir bisher nicht getraut, weil ich Angst komisch angemacht zu werden oder erst gar nicht hereingelassen zu werden.
Aber der Abend war Klasse.
In der letzten Woche hatte ich dann einen Beratungstermin im Laserzentrum Kassel, wobei ich da etwas enttäuscht bin. Nicht nur, dass der Behandlungsraum in einer zusammengezimmerten Ecke eines Rechtsanwaltsbüro ist, nein, die Sitzung soll auch 80,-Euro kosten...
Das muss ich mir erst überlegen ob ich da hingehe. Ich habe kommende Woche einen Termin bei der "Hairfree"-Kette. Mal sehen was die anbieten und was es dort kostet.
An der Arbeit läuft alles prima. Da kann man eigentlich nichts berichten, denn es ist jeden Tag das gleiche und unspektakulär.
Vor einer Woche habe ich vor dem Spiegel festgestellt, dass meine flache Brust nicht zu meinem Körper passt und habe mich entschieden, entgegen meiner Prinzipien, nun doch Schaumstoffprothesen zu tragen. Ich hatte die schon mal ausprobiert, konnte mich aber nicht damit identifizieren. Aber nun sieht`s sogar richtig chic aus und ich gefalle mir wieder ein Stück mehr. Nun also doch Weihnachtsgans!
| ...nicht getroffen... |
Dieses Wochenende war dann auch wieder sehr angenehm, denn ich war in einer Disco. Oh, heute sagt man ja Club! Das war bisher meine grösste Hürde, denn die Kasseler Türsteher verstehen keinen Spass und weisen gerne mal den einen oder die andere ab.
Aber wider erwarten gab es überhaupt keinen Grund mich nicht hereinzulassen. Ohne Probleme feierten wir die ganze Nacht ausgiebig meinen ersten Clubbesuch und auch die anderen Gäste waren begeistert von mir, das ich so viel Mut aufbringe um sowas zu machen. Ich hoffe der hauseigene Fotograf lädt bald seine Bilder hoch, dann kann ich euch zeigen, wie ausgelassen wir gefeiert haben.
Niemand hat mich beleidigt, mit dem Finger auf mich gezeigt oder ausgelacht. Ich war echt begeistert, da ich ja etwas bedenken hatte, bei all den Jugendlichen.
Ich hoffe, ich finde bald die Zeit, so etwas zu wiederholen.
Gesetzlich bin ich noch nicht weitergekommen, da ich es jeden Tag auf den nächsten verschiebe, einen Vornamensänderungsantrag zu schreiben. Man findet wohl Vorlagen im Internet, aber soweit ich weiß sind diese wieder veraltet weil sich das Transsexuellengesetz geändert hat und man es nun etwas einfacher hat.
Hannah (Frau seit 1997) hat mich da genau informiert, aber ich konnte mir nicht genau alles merken.
In den Ferien sollte ich aber ausreichend Zeit dazu haben, denn langsam muss es rechtlich mal weitergehen.
Die sonstige allgemeine Lage hat sich stark verbessert: Mittlerrweile darf ich 15 Paar Schuhe mein eigen nennen und der Kleiderschrank ist auch zu klein geworden. Ich habe mir freiwillig ein Bügelbrett und -eisen geholt, weil man ja nicht so zerknittert rumlaufen kann. (Früher ist es mir nicht aufgefallen oder war mir egal.)
Zusammenfassend kann ich heute bereits sagen: Ich fühle mich komplett als Frau. Nach den letzten Wochen ohne Zwischenfälle und mit zunehmender Routine hört mein Kopf auf, über Richtig und Falsch nachzudenken. Ich bestreite meinen Alltag so wie er mir gefällt und das ist richtig. Selbstverständlich passieren noch kleiner Unfälle wie zum Beispiel das sitzen auf Treppen mit Rock... oder die richtige Größe des BH`s damit er nicht die ganze Zeit unter`m Kinn hängt. Aber das sind nur noch Kleinigkeiten.
Auch die Zeit im Badezimmer konnte ich schon von über 2 Stunden auf maximal 30 Minuten einschränken.
Langsam stelle ich auch den Unterschied zwischen guter und schlechter Schminke fest und kann nur jedem raten, lieber ein paar Euro mehr in Schminke zu investieren, es lohnt sich.
Nun geht die Haushalstarbeit weiter: Die Wäsche ist fertig und wartet auf den Trockner. Danach möchte sie noch gebügelt werden... Frauen haben keine Sonntage!
Hey, ich hoffe, es geht dir gut! ;-)
AntwortenLöschenJa, alles in Ordnung. Bin im Moment etwas abseits des Computers, aber denke täglich daran, hier zu schreiben.
AntwortenLöschenIch werde das bald nachholen, aber im Moment bin ich mit Arbeit und Schule gut ausgelastet.
Hallöchen, wie geht es dir denn so? :-)
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